„Kleben bleiben“: 1500 Pfadfinder feiern Geburtstag in Dänemark

Bis tief in die Nacht am Lagerfeuer sitzen und singen, beim Hiken andere Länder und Kulturen entdecken, neue Freunde finden: 1500 Pfadfinder aus dem Bistum Essen haben sich auf den Weg in die dänische Hafenstadt Kolding gemacht, um mit einem großen Sommerlager ihren 60. Geburtstag zu feiern.

Nebel breitet sich auf der Bühne aus, dann taucht plötzlich das in rosa Tüll gekleidete Zuckerwatte-Maskottchen auf. Kleberhardt CottonCandy springt nach vorne und erzählt von seinem „Lieblingserklebnis“ auf dem sechstägigen Pfadfinder-Hike vom Ruhrbistum bis in die dänische Hafenstadt Kolding. Wenige Minuten später tanzt CottonCandy mit Klaus Klebra, der beleidigten Kleberwurst und den anderen Maskottchen den Mottotanz des großen Sommerlagers: „Kleben, kleben bleiben. Kleben, das tun wir.“ Laut singen die 1500 Pfadfinder der Deutschen Pfadfinderschaft Sankt Georg mit, lassen sich auch vom Nieselregen nicht stören. 

Aus den 11 Bezirken des Essener Diözesanverbands sind sie nach Dänemark gekommen, um zusammen den 60. Geburtstag unter dem Motto „Kleben bleiben“ zu feiern. Vor allem Vera Sadowski, Vorsitzende der DPSG im Bistum Essen und Projektleitung, freut sich über die vielen Teilnehmer: „Ich bin seit über 20 Jahren Pfadfinderin bei der DPSG und jetzt hier mit 1500 Leuten gemeinsam Geburtstag zu feiern, ist unglaublich und der größte Geburtstag, den ich bis jetzt miterlebt habe.“ 

Werte lernen wie Gemeinschaft oder Naturverbundenheit

Die Anmeldezahlen in dem Essener Verband steigen, über 8000 Pfadfinder sind aktuell aktiv - auch nach 60 Jahren ist Pfadfinder sein noch angesagt. „Kinder und Jugendliche mögen es, sich auszuprobieren, sind gerne in der Natur unterwegs. Wir merken, dass immer mehr Eltern ihre Kinder ganz bewusst zu den Pfadfindern zu geben, in der Hoffnung, dass sie bei uns Werte lernen wie Gemeinschaft oder Naturverbundenheit“, sagt Sadowskis Vorstandskollege Sebastian Ritter. Maximilian Strozyk ist seit vier Wochen als Diözesankurat im Essener Vorstandsteam, auch er ist von der Aktualität des Ehrenamts überzeugt: „Wir bieten Vieles, das andere Gruppen nicht bieten: Es geht hier nicht um Leistung, nicht darum, dass Kinder und Jugendliche etwas Besonderes mitbringen müssen, sondern darauf zu gucken, was uns verbindet.“

Auf den Zusammenhalt ging auch Bischof Franz-Josef Overbeck in seinem Grußwort an die Essener DPSG ein. „Die Pfadfinder gehören zu unserem Bistum seit Anfang an und sind der größte Kinder- und Jugendverband“, sagt er in seiner Videobotschaft zum Auftakt des Lagers. „Das Lagermotto weist darauf hin, dass Ihr nicht nur alle beieinander in Dänemark und bei den Pfadfindern bleibt. Sondern, dass auch der zu Euch gehört, der uns sagt: Zu ihm gehören wir - nämlich Gott. In diesem Sinne darf ich sagen: Klebt an Gott, das lohnt sich!“

Geisterbahn und Beautysalon in der Jurte

50 Stämme leben nun bis Ende August auf dem Lagerplatz in Dänemark - kochen, spielen, singen oder bauen gemeinsam, laden sich gegenseitig zu Events wie einem Jahrmarkt mit Geisterbahn in der Jurte und Zuckerwatte oder Karaoke und Beautysalon ein. Die Wölflinge Nora, Laura und Nayeli sind mit ihrem Stamm St. Januarius aus dem Ennepe-Ruhr-Kreis dabei, erkunden gemeinsam den großen Lagerplatz. „Ich finde an Pfadfindern cool, dass wir abends zusammensitzen und Lieder singen. Und dass man in Zelten schlafen darf“, sagt die 7-jährige Laura. Freundin Nayeli ist sich sicher: Sie bleiben auch in den kommenden Pfadfinderstufen immer befreundet, das schaffen sie bis zur Leiterstufe.

Einige Meter weiter bergab auf der großen Wiese stehen Jan und Luca vor dem Lagershop, einer kleinen Hütte aus Holz. Turnbeutel, Baseballkappen, Trinkbecher oder Aufnäher mit dem Lagerlogo hängen draußen über der Theke, Chips und Gummibärchen stapeln sich dahinter in Tüten und Dosen. Ganz genau überlegen die Beiden, was sie sich zur Erinnerung an das Lager kaufen. Ihnen macht beim Pfadfindersein vor allem das Draußensein Spaß. „Ich mag Outdoor und draußen spielen - das war schon immer mein Hobby. Deswegen habe ich hier angefangen“, erzählt der 10-jährige Jan. Auch Luca ist nach der Schule gerne draußen im Wald, fährt oft Fahrrad: „Das ist halt einfach megageil“, sagt der 11-Jährige und lacht. Dumme Sprüche von Mitschülern muss er sich als Pfadfinder nicht anhören: „In der Gruppenstunde haben wir mal Döner gegessen und nen Film geguckt - wenn ich das erzähle, sind die immer ganz neidisch.“

Hike-Taschen weg und ab ins Meer

Auf der anderen Seite des Lagerplatzes sitzt Nils Rühl auf einem Holzpodest in rund zwei Metern Höhe, zieht Seile zwischen den Balken fest. Vor den Zelten hat der 18-Jährige mit seiner Rovergruppe ein großes Holztor mit Turm gebaut, jetzt soll noch eine Schaukel drunter. Rühl gehört seit der Wölflingsstufe zum Mülheimer Stamm St. Barbara. „Die Lager sind einfach das Beste. Man kann coole Projekte umsetzen wie unser Tor, neue Leute kennenlernen.“ Ihre Reise nach Dänemark haben die Rover in der Jugendkirche Gleis X in Gelsenkirchen gestartet, sind über das Ruhrgebiet und Hamburg nach Kiel gehiked - zu Fuß, mit dem Zug, Bus und Fähre. Das Highlight der Reise ist für Nils klar: „Der Strand von Sylt! Einfach die Taschen weg und so verschwitzt wie wir vom Laufen waren ins Wasser springen!“ 

Den 60. Geburtstag feierten die Pfadfinder des Ruhrbistums am Samstag mit einem Jubiläumsgottesdienst und einer großen Party mit der Punkrockband „A.t.m.e“ – Pfadfinder aus Hattingen, die vor zwei Jahren aus ihrer ehemaligen Lagerband eine feste Band gründeten. Am nächsten Tag ging es für einige Kinder, Jugendliche und Erwachsene wieder zurück ins Ruhrgebiet und Sauerland. In der dritten Lagerphase von „Kleben bleiben“ sind die anderen Pfadfinder mit ihren Stämmen noch bis zum 25. August rund um die dänische Hafenstadt unterwegs.

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