Essener Generalvikar warnt vor „Klerikalismus“

Klaus Pfeffer sprach am Wochenende in Würzburg auf einer theologischen Fachtagung zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche.

Vor einer Überhöhung des Priesterbildes und den Gefahren eines „Klerikalismus“ hat der Essener Generalvikar Klaus Pfeffer am Samstag auf einer Veranstaltung zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche gewarnt. Es brauche eine Auseinandersetzung über die mit der Priesterweihe verbundenen „Phänomene eines geschlossenen Systems, der Verpflichtung zu einem ehelosen und asexuellen Leben sowie einer insgesamt durch die katholische Sexualmoral verursachte Tabuisierung von sexuellen Bedürfnissen“, forderte Pfeffer in Würzburg bei der Fachtagung „Nicht ausweichen – Theologie angesichts der Missbrauchskrise“. Ziel müsse „eine Ent-Idealisierung und Ent-Klerikalisierung des Amtes in der Kirche“ sein.

Theologie als „Motor kirchlicher Erneuerung“

Neben Pfeffer haben sich auf der Tagung rund 140 Fachleute aus Deutschland, Österreich und Liechtenstein mit der Missbrauchskrise und den Konsequenzen für die Kirche und die katholische Theologie beschäftigt. Die Theologie müsse nun ein „Motor kirchlicher Erneuerung“ sein, sagte Pfeffer. Als weitere Referenten waren unter anderem Harald Dressing und Hans-Joachim Salize aus dem Forschungskonsortium der im vergangenen Jahr veröffentlichten MHG-Studie zum sexuellen Missbrauch in der Kirche eingeladen sowie zahlreiche Theologinnen und Theologen. Besonders beeindruckt zeigte sich Pfeffer von den Schilderungen der Opfer sexuellen Missbrauchs, die ebenfalls auf der Tagung zu Wort kamen. Wie konnte die hoffnungsvolle und frohe christliche Botschaft „so entstellt und beschmutzt werden?“ fragte das Missbrauchsopfer Kai Christian Moritz.

Kein „Missbrauch des Missbrauchs“

Entschieden wandte sich Pfeffer auf der Tagung gegen die Annahme, der Missbrauchsskandal werde nun für eine Reformagenda in der katholischen Kirche benutzt. „Ich widerspreche der schrecklichen Vokabel vom Missbrauch des Missbrauchs.“ Damit würden Diskussionen vom Tisch gefegt, Menschen mundtot gemacht. „Es hat alles mit allem zu tun“, betonte der Generalvikar. „Wer immer noch der Meinung ist, der sexuelle Missbrauch könne losgelöst betrachtet werden von den sehr grundsätzlichen Fragestellungen zum Selbstverständnis unserer Kirche, von ihren Strukturen und ihren Lehren, liegt falsch.“ Der Missbrauch sei nur die Spitze eines Eisbergs vieler anderer Leidensgeschichten.

Für Pfeffer ist klar: Die Kirche muss, sie wird sich radikal verändern. „Die Frage ist nur, ob wir es gestalten können oder ob uns die Entwicklung weiter überrollen wird.“

Der Vortrag von Generalvikar Pfeffer im Wortlaut (pdf):

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